Was eine Lipohypertrophie ist.

Dr. med. Ulrich Kusenack
Oktober 2026 · 6 Minuten Lesezeit
Lipohypertrophie oder Lipödem.
Kurz beantwortet, dazu drei Merkmale aus der Sprechstunde.
Kurz gesagt
Eine Lipohypertrophie ist vermehrtes, aber gesundes Unterhautfett, meist an Beinen, Hüften und Armen, das nicht schmerzt. Schmerzt das Gewebe, spricht das für ein Lipödem.
Schmerzempfindlichkeit
Bei der Lipohypertrophie schmerzt das Gewebe nicht. Beim Lipödem sind Schmerzen und Berührungsempfindlichkeit das entscheidende Merkmal.
Kneiftest
Ich kneife unterhalb der Innenseite beider Knie und an der Unterseite der Oberarme das Fettgewebe zusammen. Schmerzt das, spricht es für ein Lipödem. Sie können den Test zu Hause ausprobieren, eine Untersuchung ersetzt er nicht.
Sport und Ernährung
In beiden Fällen spricht das vermehrte Fett kaum darauf an. Dieses Merkmal unterscheidet beide vom reinen Übergewicht, nicht voneinander.
Die gute Nachricht zuerst: Ein echtes Lipödem ist eher selten. Hinter den meisten Fettpolstern an Beinen, Hüften und Armen, die auf Sport und Ernährung kaum ansprechen, steckt eine Lipohypertrophie, also vermehrtes, aber gesundes Fettgewebe. Auch eine leichte Wellenbildung der Haut begründet kein Lipödem.
Eine Lipohypertrophie ist eine Vermehrung des Unterhautfettgewebes, meist an Beinen, Hüften und Armen, die keine Schmerzen verursacht. Beim Lipödem dagegen schmerzt das vermehrte Fett und ist berührungsempfindlich.
Als Facharzt für Gefäßchirurgie und Phlebologe erkläre ich hier, woran Sie die beiden Befunde unterscheiden und wann eine ärztliche Einordnung sinnvoll ist.
Was ist eine Lipohypertrophie?
Eine Lipohypertrophie ist eine Fettverteilungsstörung des Unterhautfettgewebes ohne Beschwerden. Das Fett ist vermehrt, aber gesund. Oft ist das Verteilungsmuster vererbt.
Solange keine Adipositas hinzukommt, hat die Lipohypertrophie keinen Krankheitswert. Aus medizinischer Sicht muss sie deshalb nicht behandelt werden.
Als Adipositas gilt Übergewicht ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30. Bei vielen Fettpolstern an Beinen, Hüften und Armen, die auf Sport und Ernährung kaum ansprechen, handelt es sich um eine Lipohypertrophie und nicht um ein Lipödem.
Wodurch unterscheidet sie sich von einem Lipödem?
Der entscheidende Unterschied ist der Schmerz. Beim Lipödem schmerzt das vermehrte Fettgewebe, bei der Lipohypertrophie nicht.
Die Form der Beine allein reicht für die Unterscheidung nicht. Beide Befunde können ähnlich aussehen, und in beiden Fällen lässt sich das Fett durch Sport und Ernährung kaum verringern.
Typisch für ein Lipödem sind:
- Schmerzen und Berührungsempfindlichkeit
- Schweregefühl in Beinen oder Armen
- Neigung zu blauen Flecken
- grobknotiges Fettgewebe und Kältegefühl der Haut
Mehr über das Krankheitsbild lesen Sie unter Was ein Lipödem ist.
Schmerzt eine Lipohypertrophie?
Nein. Schmerzen gehören nicht zur Lipohypertrophie, daran lässt sie sich vom Lipödem abgrenzen.
Kommen zu dem vermehrten Fettgewebe Beschwerden hinzu, vor allem Schmerzen, liegt ein Lipödem vor. Sollten Sie Schmerzen, Druckempfindlichkeit oder ein Schweregefühl bemerken, lassen Sie das ärztlich abklären.
In der Untersuchung prüfe ich mit dem Kneiftest, ob das Gewebe schmerzt. Mit dem Ultraschall schließe ich Venenleiden als Ursache der Beschwerden aus.
Welche Körperregionen sind typischerweise betroffen?
Betroffen sind vor allem Beine, Hüften und Arme.
Welche Regionen bei Ihnen betroffen sind und ob es sich tatsächlich um eine Lipohypertrophie handelt, lässt sich nur in der Untersuchung feststellen. Eine Ferndiagnose anhand von Fotos oder dieses Beitrags ist nicht möglich.
Kann eine Fettabsaugung helfen?
Eine Fettabsaugung (Liposuktion) kann vermehrtes Unterhautfett an diesen Regionen verringern. Medizinisch notwendig ist sie bei einer Lipohypertrophie nicht, der Eingriff gilt dann als kosmetisch: Was er kostet, steht unter Kosten einer Fettabsaugung, wie er abläuft, im Ratgeber zum Ablauf. [KUNDE-LIEFERT: ärztliche Einordnung, wann eine Fettabsaugung bei Lipohypertrophie in Frage kommt]
Über den Autor.
Dr. med. Ulrich Kusenack
Dr. Kusenack hat über 25 Jahre operative Erfahrung und leitete bis 2018 als Chefarzt die Klinik für Gefäßchirurgie am Helios Universitätsklinikum Wuppertal. In seiner Privatpraxis an der Königsallee führt er Fettabsaugungen ambulant durch.
Fragen zur Lipohypertrophie.
Was ist eine Lipohypertrophie?
Eine Lipohypertrophie ist eine Vermehrung des Unterhautfettgewebes ohne Beschwerden, meist an Beinen, Hüften und Armen. Das Verteilungsmuster wird oft vererbt. Solange keine Adipositas hinzukommt, hat sie keinen Krankheitswert und muss aus medizinischer Sicht nicht behandelt werden. Vom Lipödem unterscheidet sie sich vor allem dadurch, dass das Gewebe nicht schmerzt.
Woran erkenne ich den Unterschied zu einem Lipödem?
Das wichtigste Merkmal ist der Schmerz: Beim Lipödem ist das vermehrte Fett schmerzhaft und berührungsempfindlich, bei der Lipohypertrophie nicht. Hinzu kommen beim Lipödem oft Schweregefühl und blaue Flecken. Die Form der Beine allein reicht für die Unterscheidung nicht, deshalb gehört die Einordnung in eine ärztliche Untersuchung mit Kneiftest.
Schmerzt eine Lipohypertrophie?
Nein, Schmerzen gehören nicht zum Bild der Lipohypertrophie. Kommen zu dem vermehrten Fettgewebe Beschwerden hinzu, vor allem Schmerzen oder ein Schweregefühl, spricht das für ein Lipödem. In diesem Fall sollten Sie die Beschwerden fachärztlich abklären lassen. Mit Ultraschall lassen sich dabei auch Venenleiden als Ursache ausschließen.
Hilft eine Fettabsaugung bei Lipohypertrophie?
Eine Fettabsaugung kann vermehrtes Unterhautfett verringern, medizinisch notwendig ist sie bei einer Lipohypertrophie aber nicht. [KUNDE-LIEFERT: ärztliche Einordnung Lipohypertrophie] Der Eingriff gilt dann als kosmetisch. Was er kostet, steht auf der Seite zu den Kosten einer Fettabsaugung.
Zeit für Ihre Fragen.
Im Beratungsgespräch untersuche ich Sie und sage Ihnen offen, ob eine Behandlung für Sie in Frage kommt und wo ihre Grenzen liegen. Sie erreichen uns montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr.

